Deutschland versagt im Kampf gegen Geldwäscher: Trotz stark steigender Verdachtsmeldungen der FIU sind polizeilich erfasste Geldwäsche-Straftaten seit Jahren rückläufig.

Da in Deutschland jährlich schätzungsweise etwa 100 Milliarden Euro gewaschen werden, haben wir untersucht, wie es in Deutschland um den Kampf gegen Geldwäsche steht. Seit der Verlegung der Financial Intelligence Unit (FIU) vom Bundeskriminalamt (BKA) zum Zoll im Jahr 2017, gehört die Entscheidung darüber, welche Hinweise auf Geldwäsche und Terrorfinanzierung an Polizei und Staatsanwaltschaft weitergegeben werden, zum Aufgabenbereich des Zolls.

Für unsere Analyse haben wir deshalb die jeweiligen Jahresberichte der FIU und Polizei von 2017 bis 2020 miteinander verglichen. Das Ergebnis: Deutschland verliert auf dem Gebiet der Geldwäschebekämpfung immer mehr an Schlagkraft.

 

Verdachtsmeldungen der FIU haben sich seit 2017 mehr als verdoppelt

Die bei der FIU eingegangenen Verdachtsmeldungen steigen jährlich. Im Jahr 2017 erhielt die FIU noch insgesamt 59.845 Verdachtsmeldungen. 2018 und 2019 waren es dann 77.252 und 114.914 eingegangene Meldungen. Im Vergleich zu 2017 hat sich die Zahl 2020 mehr als verdoppelt und stieg auf 144.005.

Im gleichen Zeitraum sind die Fallzahlen beim BKA kontinuierlich gesunken. Während 2020 über 144.000 Verdachtsmeldungen bei der Zollbehörde eingegangenen sind, wurden im selben Jahr nur 8.942 Fälle in der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) dokumentiert. Zum Vergleich: 2017 standen den 59.845 Verdachtsmeldungen noch 10.015 Fälle in der PKS gegenüber.

 

 

Brisant ist außerdem: Der Jahresbericht der FIU aus dem Jahr 2020 zeigt, dass nur 0,25 Prozent der Meldungen an die Ermittlungsbehörden nachweislich zu einer Aufdeckung von Geldwäsche-Straftaten beigetragen haben.

 

Thüringen hat die meisten Ermittlungserfolge während sich die Anzahl der Geldwäsche-Straftaten in Berlin und Brandenburg halbiert hat

Während die polizeiliche Kriminalitätsstatistik im Jahr 2017 noch 10.015 Geldwäsche-Straftaten erfasst, reduziert sich die Anzahl an Delikten auf 8.942 im Jahr 2020, um 10,7 Prozent.

Ermittlungserfolge hat es zudem ganz besonders in Thüringen (+79,3 Prozent), Schleswig-Holstein (+77,1 Prozent), Bayern (+23,5 Prozent), Baden-Württemberg (+23,1 Prozent), Sachsen-Anhalt (+22,4 Prozent) und Niedersachsen (+21,5 Prozent) gegeben, da die Anzahl der aufgeklärten Straftaten in diesen Bundesländern besonders gestiegen ist.
In Berlin (-63,73 Prozent), Brandenburg (-51,0 Prozent) und Hessen (-22,1 Prozent) sind die erfassten Straftaten im Zusammenhang mit Geldwäsche jedoch gesunken.

 

 

Über die Untersuchung

Untersuchungsgrundlage der Analyse sind die offiziellen polizeilichen Kriminalitätsstatistiken (PKS) des BKA aus den Jahren 2017, 2018, 2019 und 2020. Die Zahlen zu den Verdachtsfällen stammen zudem aus den Jahresberichten der Financial Intelligence Unit (FIU) aus dem selben Zeitraum.